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5. August 2012

Ungarns Geschichte

Filed under: Allgemein — Schlagwörter: — Erzsebet Ady @ 23:12

Anmerkungen zu György Dalos:  “ Ungarn in der Nussschale“
                          von Erzsébet Ady 
Für dieses Kapitel-1920-1945 -ist auch eine Kokosnussschale zu klein.

Man muss  auch die andere Partei anhören – Ich habe sie angehört

 

Ungarn nach dem I. Weltkrieg:

Der Ausdruck Horthy  Faschismus stammt von den so genannten Kommunisten, die keine Kommunisten, sondern radikale Terroristen  stalinistischer Art waren. Sie haben die kommunistischen Ideen zunichte gemacht. Die wahren Kommunisten sind Humanisten und Demokraten, sie wurden aber von den eigenen Genossen mundtot gemacht, gar liquidiert. Faschist war Hitler und sein krimineller Anhänger in Ungarn hieß Ferenc Szálasi. Gegen sie hat Miklós Horthy (1868-1957) bis zum bitteren Ende gekämpft. Soviel müssen wir von vornherein festhalten.

Nach dem I. Weltkrieg stand das Königreich Ungarn ohne König da. Es folgte zuerst ein blutiger Terrorakt der kommunistischen Regierung. Tibor Szamuely  verkündete: „Der Terror ist die wichtigste Waffe unseres Regimes“– Miklós Horthy: „Ein Leben für Ungarn“, Athenäum  Bonn,1953 –S.117 Damit hatte er schon alles gesagt. Béla Kun war sein Meisterhenker. Diese Anarchie nutzten die Nachbarländer aus, eins nach dem anderen brachen sie ins Land ein.

Zwischenzeitlich begangen erst die Verhandlungen in Paris um einen „Raubfrieden“. Der französische Generalsekretär der Friedenskonferenz, Georges Clemenceau, äußerte sich:                                 

„Es  existiert überhaupt keine ungarische Nation,  es gibt alles in allem eine Krone und aus fünfzehntausend Österreichern kreierte ungarische Adlige. Es gibt keine ungarische Nation.“- István Nemeskürthy: „Édes Erdély“- (Liebe Siebenbürgen) Budapest 1988 – S.16 –

Dies war der Geisteszustand eines Mannes, dessen Stimme 1920 in Versailles/ Trianon angehört wurde. Er wusste noch nicht, dass „das ungarische Volk  ein viel älteres Volk ist als das französische, englische, deutsche, russische, italienische,spanische, schwedische, polnische und rumänische Volk. Das Volk und seine Sprache- mit 15 Millionen Sprechern- blicken auf eine etwa 3.000 Jahre alte Vergangenheit zurück“. – Maria D. Mátai: „ Kleine ungarische Sprachgeschichte“ Buske, Hamburg 2002 – S.59 –

Der britische Ministerpräsident George Lloyd erhob Protest:  „Wir können nicht mit Menschen wie mit Tieren umgehen, wir müssen gegenüber den Ungarn gerecht sein, sie wollen nur ihre Heimat verteidigen.“ –  István Nemeskürthy – S.16 – Nachdem die Rumänen bis in die Hauptstadt  Budapest eingedrungen waren, wurden sie von den dort stationierten Militäreinheiten der Siegermächte aufgefordert, Budapest und das Gebiet zwischen Donau und Theis zu verlassen. Anschließend konnte Miklós Horthy mit seiner Nationalarmee Budapest kampflos in Besitz nehmen. Er hielt sich an die Vereinbarung, weiteren Krieg wollte er vermeiden.

Gegen die Rote Armee, die auch gegen die Rumänen blutige Gefechte geliefert hat, musste Horthy jedoch hart vorgehen. Von ihm wurde erwartet, dass er wieder Ordnung und Ruhe herstellt. Nach  Anblick der Zerstörung, Mord und Totschlag auf den Strassen der Stadt sprach er von Wut und Pathos erfüllter Stimme zum Volk.  Ich bin nicht über seine Worte entrüstet, sehr wohl über die Ereignisse.

György Dalos meint zu  Horthy’s  Ansprache: „eine Konstruktion, die der Gegenrevolution angesichts des hohen jüdischen Bevölkerungsanteils der Metropole (24%) eine offen antisemitische Ausrichtung verlieh“. S.129- Ich finde diese Ansicht etwas bizarr. Horthy konnte in dieser Situation die Menschen bestimmt nicht  nach  Juden und nicht Juden selektieren  und  das wollte er auch nicht. Radikalismus  duldete er nicht, ob rechts oder links. – Ich sehe es objektiv – Horthy war ein ehemaliger K.u.K. Offizier, er wurde in dieses Milieu hineingeboren. Auch wenn sein damaliger Stil uns heute nicht mehr zeitgemäß ist, er war ein Mensch, ein Mensch in der Unmenschlichkeit. Er lebte für sein Land und sein Volk, er war pflichtbewusst, ehrenhaft und anständig.

1920 wurde Miklós Horthy zum Reichsverweser gewählt. Er wollte nie in die Politik einsteigen, aber er konnte nicht sagen, dazu habe ich keine Lust. Aus Verantwortungsbewusstsein hat er das Amt angetreten .Die Führerlose Regierung hatte keine besser geeignete Person für diese Aufgabe gefunden und  die Engländer hatten ihn auch anerkannt.  Als begabter Admiral war er bekannt und geschätzt.

Der Reichsverweser hatte keine Vollmacht. Er konnte die Regierung aufstellen, durfte Minister ernennen und entlassen. Die Gesetze wurden von der Regierung vorgeschlagen, der Reichsverweser konnte sie zweimal ablehnen,  beim dritten Mal  musste er annehmen. Horthy musste erst das verstümmelte Land und das gelähmte Volk irgendwie wieder beleben. Dazu kam, dass das  ungerechte Friedensabkommen der Siegermächte Terrain für Kommunismus wie Nationalismus in Ungarn geschaffen hatte.

Die Feststellung von Lord Newton:  „Mehr, als drei Millionen Magyaren wurden an Fremdrassige von minderer Zivilisation ausgeliefert, in glatter Verletzung der geheiligten Prinzipien der Selbstbestimmung „ – spricht für die Unmenschlichkeit – Miklós Horthy: – S.138 In diesem Sinne verzeichnet John Flournoy Montgomery –amerikanischer Botschafter in Ungarn 1933-41-in seinem Buch „Hungary, the unvilling satellite“: -S.8- „Meine Landsleute, die später Ungarn und einige Nachbarländer aufgesucht haben, verwundert fragten mich, warum hat man höher entwickelte Rasse relativ unterentwickelten ausgeliefert? Ich habe keine zufrieden stellende Antwort geben können auf ihre Frage.“ – Ich ja:  Georges Clemenceau  –

Ungarn im II. Weltkrieg:

1936, Horthys erste Begegnung mit Hitler, der für seine Pläne einen erfahrenen Admiral und Ungarn wegen seiner geografischen Lage brauchte.Auf die bemerkenswerte Frage Hitlers:  „Was würden Sie tun, Durchlaucht, wenn Sie den politischen Kurs Deutschlands zu bestimmen hätten?“ war Horthys Antwort:  „ so würde ich alles daran setzen, um eine enge Freundschaft  Deutschlands und Englands zu erreichen. Ich würde nicht den gleichen Fehler machen, wie Kaiser Wilhelm.“ –S.179

1938 forderte Hitler Horthy auf, ihn bei seinem Ansturm auf die Tschechoslowakei militärisch zu unterstützen. Mit der Parole: – was sie erkämpfen, können Sie behalten – verfehlte er sein Ziel.

Horthy lehnte entschieden ab:  „Revision ja, aber nur mit friedlichen Mitteln“. –S.195 –Er  wollte keinen Krieg mehr und dies war sein Ziel, nichts anderes. György Dalos nennt dies: „die einseitige deutsche Orientierung der Budapester Regierung“(?) Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, der bei diesem Gespräch anwesend  war, bestätigt  Horthys Worte in seinen „Erinnerungen“, und zu Horthys Haltung schreibt er: „Die offizielle Welt des Dritten Reiches war ihm(Horhty) völlig fremd und der Umgang mit ihr eine Überwindung.“ – S.169

Hitlers nächstes Ziel war Polen. Um Polen von Süden her angreifen zu können, hat er von Horthy verlangt die Eisenbahnlinie in Ungarn zur Verfügung zu Stellen. Horthy lehnte es wieder ab und befahl, im Falle des gewaltsamen Durchmarsches  deutscher Truppen, alle Brücken zu sprengen.

Hitler drohte  Ungarn  zu besetzen. Horthy versuchte mit Zugeständnissen, wie Austritt aus dem Völkerbund, Anschluss an den Dreimächtepakt – was von Deutschland nicht eingehalten wurde – das Land vor der totalen Besetzung zu bewahren. Es ging ihm um Zeitgewinn. Bis März 1944 gelang es.

Hitlers „ Unternehmen Barbarossa“, der Angriff auf die Sowjetunion, war aus Jugoslawien, ehemals Ungarn/Bánság geplant. Er bat nicht nur um Durchzug, sondern er verlangte auch die Teilnahme ungarischer Truppen. HorthysRegierung wusste, wenn sie jetzt Widerstand leisten, folgt Ungarns totale Besetzung und das würde den Verlust Ungarns Unabhängigkeit bedeuten.

Vor dieser schweren Entscheidung schied Ministerpräsident Graf Pál Teleky selbst aus dem Leben. Hierzu bemerkt György Dalos: „Man könnte sagen, Graf Teleky, einer der Begründer des Systems und der „Judengesetze“, fiel im Duell mit sich selbst.“- S.139- Eindeutig nein, er fiel im Duell mit Hitler. Es hatte nichts mit den Judengesetzen zu tun, sondern mit der Wahl zwischen: dem Nachgeben Hitlers Forderung, oder der Besetzung des Landes, was Ungarns Untergang gleich gekommen wäre.

Paradox und provokativ ist das Zitat von dem britischen Außenminister Anthony Eden: „Wenn ein Land schon nicht Herr seines eigenen Willens ist und auf seine Unabhängigkeit freiwillig verzichtet, dann…“ – György Dalos – S.140  – himmelschreiend! – Mr. Eden hat wohl den Selbstmord einer ganzen Nation erwartet. Zutreffend ist die Formulierung von John F. Montgomery: „Innerhalb von einem Jahrzehnt zweites Mal zwang ein übermächtiger Nachbar ins Vasallen Schicksal ein kleines europäisches Land, Ungarn.“ – Empfehlung des Autors zu seinem Buch – Deckblatt

Generalstabschef  Henrik Werth erlaubte hinter dem Rücken der Regierung den Durchzug deutscher Truppen,  bevor die Regierung sich entschieden hätte. Hierzu gehört, dass Ungarn 1920 in Trianon das Recht auf Generalstab und Offiziers Ausbildung entzogen wurde. Zur Existenz einer Armee musste das Land Führungskräfte aus dem Ausland einstellen. Werth war ein guter Soldat, aber kein Ungar. Im II. Weltkrieg hat er Ungarn verraten.

Die Vernichtung Ungarns wurde schon in Trianon vorprogrammiert. Der große ungarische Lyriker Mihály Vörösmarthy (1800 – 1855)  hatte bereits seinerzeit allen Agressoren auf seine feine Art getrotzt:

 
 „So lebt, vom Schicksal heimgesucht,
 in Zwietracht oft verrannt,
 vermindert zwar,gebrochen nicht
 dies Volk in seinem Land“
 
 (aus dem Ung. von Hans Leicht)

Horthy wollte nur bis zur ehemaligen ungarischen Grenze in Jugoslawien einrücken, um die eigene Bevölkerung zu schützen, die dort ohnehin Bluttaten serbischer Partisanen wehrlos ausgesetzt war. Auf Werths Befehl hat die ungarische Armee grausame Ausschreitungen in Novi Sad (Ujvidék) verrichtet. Dies hat viele Opfer gefordert. Horthy bedauerte sehr die Ausschreitungen aus den eigenen Reihen und ordnete eine Untersuchung an. Der erste Prozess scheiterte an Korruption zwischen Richter und Angeklagten. Die Regierung drängte auf ein neues Militärgerichtsverfahren. Danach waren 20 Angeklagten zu 8-15 Jahren Festungshaft verurteilt. Es fielen vier Todesurteile, die nicht vollstreckt werden konnten, da die Betroffenen  mit deutscher Hilfe entführt wurden und das Land verlassen konnten.

Die nächste Forderung Hitlers an Ungarn, den Balkankrieg mitzumachen, lehnte Horthy ab. Die nächste  Forderung war: Ungarn soll der Sowjetunion den Krieg erklären. Horthys Antwort an Hitler lautete: „Ungarn sehe sich nicht in der Lage der Sowjetunion – noch dazu ohne jede Provokation – den Krieg zu erklären. Bei dem Größenunterschied der beiden Länder wäre mir dies in der Tat lächerlich erscheinen.“ – S.235 – Generalstabschef  Henrik Werth drängte auf eine sofortige Kriegserklärung, er stand zu Hitler.

Es folgte die Provokation: am 26. juni 1941 wurden die Städte Kassa und Munkács bombardiert. Nach Werths Meldung sollen  die Luftangriffe von sowjetischen Maschienen ausgeübt worden sein. Daraufhin erklärte die Regierung den Kriegszustand mit der Sowjetunion. Horthy erreichte die Meldung der Augenzeuge Fliegeroberst Adam Krudy aus Kassa erst viel später, es waren deutsche Maschinen gewesen, die die Bomben abgeworfen hatten.

Es war also Ungarns von Hitler erzwungener Kriegseintritt. Die schwach ausgerüsteten ungarischen Soldaten wurden von Hitler nicht wie versprochen, mit Ausrüstung unterstützt, sondern als „Schutzwand“ aufgestellt und diese Wand wurde bei Woronesch bis zum Grunde zerstört.

Auf Hitlers Verlangen erklärte Ministerpräsident Bárdossy ohne Zustimmung des Parlaments und ohne Rücksprache mit Horthy, auch den USA den Krieg. Das war rechtswidrig und wurde auch nicht akzeptiert. Roosevelt beurteilte die Lage richtig: „Die Kriegserklärung der kleinen Nationen wurde von Hitler erzwungen, deshalb nehmen wir sie gar nicht zur Kenntnis.“ -John F. Montgomery –  S.153

Ungarns letzter verzweifelter Versuch: Ausstieg aus dem Krieg ist auch fehlgeschlagen, da – 1. – Ungarn von der deutschen Armee besetzt war und der Reichsverweser seine Absicht den Deutschen mitgeteilt hatte. – 2. – Die Alliierten den Reichsverweser an die Sowjetunion verwiesen hatten, weil bereits auf der Konferenz von Teheran im Dez.1943 zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin vereinbart worden war, von welchen Truppen die einzelnen Länder besetzt werden sollten. Ungarn hatten sie der Sowjetunion zugewiesen.  – 3. –  Die Sowjetunion Bedingungen gestellt hatte, eine davon genügt: Ungarn soll Deutschland angreifen! – Gustav Hennyey: „Ungarns Schicksal zwischen Ost und West“ -S.83-85-111

Die Judenfrage während der Horthy Zeit

György Dalos zitiert den angeblichen Brief von Miklós Horthy an Graf Pál Teleky: „ Was die Judenfrage anbelangt, war ich mein Leben lang Antisemit, verkehrte nie mit Juden. Da ich aber als eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung die Erhöhung des Lebensstandards betrachte, also wir müssen reicher werden, ist es unmöglich, die Juden, die alles in ihrer Hand haben, in ein, zwei Jahren auszuschalten. Dazu braucht man ein Menschenalter. Vielleicht verkündete ich als erster den Antisemitismus, aber ich kann nicht Unmenschlichkeit, sadistischen, sinnlosen Demütigungen zusehen, jetzt, wo wir sie noch brauchen. Außerdem halte ich z.B. die Pfeilkreuzler für viel Gefährlicher für meine Heimat als die Juden. Diese sind durch Interesse an ihr Adoptivland gebunden, während die Pfeilkreuzler mit ihrem verwirrten Sinn unser Land in die Hände der Deutschen spielen wollen.“ -S.139 – Es ist ein kindlich, naiv formulierter Text. Es ist nicht authentisch. Es kann eine Fälschung seitens der Nazis, oder der Bolschewiken sein. Der einzige Unterschied ist zwischen diesen Beiden, dass es in Russland kälter ist. – Sagten damals die Ungaren-   Es fehlt hier der Hinweis, wo der originale Brief mit originaler Unterschrift des Adressanten einzusehen ist.

Miklós Horthy war kein Antisemit. Er ist in der Gesinnung aufgewachsen, jeder Mensch ist gleich, ohne Rücksicht auf Rasse oder Religion. Die Familie Horthy hatte mehrere jüdische Freunde, Ärzte und Geschäftsleute, mit denen sie verkehrten. In Kaiser Franz Josefs Armee dienten mehrere jüdische Soldaten, mit diesen verkehrte Horthy ebenfalls.

György Dalos meint:  „Ein Minimum an Phantasie hätten auch die Getreuen des Reichsverwesers zeigen müssen.“ – S.141 – Sie haben es gezeigt: mit ihrem Judengesetz, wenn es noch so unglaublich klingt. Außerdem wurde Szálasi  aus der Armee entlassen und zu mehreren Jahren  Gefängnisstrafe verurteilt. Es half jedoch nicht, da  seine Anhänger zwischenzeitlich seine politischen Umtriebe fortsetzten. Nach seiner Freilassung begab er sich unter SS Schutz.

Der relativ starke Anteil der Juden an der Bevölkerung Ungarns war Hitler ein besonderer Dorn im Auge. Auf deutschem Druck beschloss die ungarische Regierung  den Nürnberger Gesetzen der Deutschen zuvorzukommen. Dies wurde von Dr. Béla Imrédy ausgearbeitet, der ausgesprochen judenfreundlich und anglophil galt. Dieses Gesetz unterschied sich grundlegend von den Nürnberger Gesetzen dadurch, dass die Religionszugehörigkeit  und nicht die Abstammung galt. Daraufhin stellte die katholische Kirche noch nach der Besetzung fieberhaft Taufscheine aus.  Außerdem wurde ein  Numerus  Clausus von 20 % für die Beschäftigung von Juden in bestimmten Unternehmungen eingeführt, aber nicht mit sofortiger Wirkung. Zur Anpassung des Gesetzes wurden fünf Jahre Zeit gewährt. Die Regierung hoffte, dass bis 1943 alles vorbei sein würde. Nach Imrédys Ernennung zum Ministerpräsidenten wurde er unverständlicherweise zu einem scharfen Judengegner und gründete eine eigene rechtsgerichtete Partei. Er reichte dem Parlament eine neue Gesetzesvorlage nach Nürnberger Art  ein, die jedoch abgelehnt wurde. Hier könnte man sagen, Imrédy sei  mit sich selbst im Duell gefallen, als ihm seine jüdische  Abstammung nachgewiesen wurde. Er hat das Amt verlassen müssen.

Das kluge Ausweichmanöver vor den Nürnberger Gesetzen hat geholfen. Dieses Gesetz wurde nicht erlassen um es zu vollstrecken, sondern um die Besetzung Ungarns zu vermeiden. Natürlich wurde das nicht an die große Glocke gehängt. Bis März 1944, d.h. bis zur deutschen Besetzung, war Ungarn das einzige europäische Land östlich von den Pyrenäen, wo die Juden noch in Sicherheit waren. Auch 60-70.000 jüdische Flüchtlinge aus den Nachbarländern, überlebten in Ungarn. Außerdem konnten dort mehrere Tausend französische, englische, amerikanische nach Ungarn geflüchtete Kriegsgefangene frei leben und arbeiten. Nicht arbeitsfähige wurden auch gut versorgt. (Jawohl Monsieur Clemenceau )  John F.Montgomery erinnert sich:  „Unter den Achsenmächten war Ungarn das einzige Land, wo die Vorschriften der Genfer Konvention gegenüber den Kriegsgefangenen hundert Prozent eingehalten wurden“. – S.188

Bemerkenswert ist noch, dass zu dieser Zeit in Ungarn die demokratische- und Linksparteien,  linksgerichtete Zeitungen und Gewerkschaften zugelassen waren. Die Sozialdemokratische Partei existierte außer Ungarn  nur in Finnland, in der Schweiz und in Schweden.

Mit seiner Diplomatie konnte Horthy die Besetzung des Landes bis März 1944 und die Ermordung noch weiterer Million Juden verhindern.

Am 19. März 1944 erfolgte die Besetzung Ungarns durch Nazi Deutschland durch elf Divisionen, darunter mehrere Panzerdivisionen. Mit diesem Datum fing durch Hitlers Gestapo die systematische Vernichtung der Juden in Ungarn an. In Budapest konnte Horthy 170.000 Juden retten, etwa 110.000 wurden von der Bevölkerung versteckt. Er hat von Esztergom (Gran) eine Panzerdivision und die Budapester Gendarmeri  bestellt um den Abtransport der Juden zu verhindern. So konnte Horthy auch den Abtransport von 100 jüdischen Gefangenen aus einem Budapester Gefängnis mit Hilfe des Militärs verhindern und sie erlebten das Ende des Krieges.

Das geschah Nicht auf Druck des Papstes und des Auslands, wie es die kommunistische Propaganda behauptete. Horthy, als Protestant hatte sehr gutes Verhältnis zur katholischen Kirche, selbst persönlich zum  Papst Pius der XII. Diese  Rettung wurde durch die Mitglieder des Ungarischen Jüdischen Komitees: Samu Stern, Dr.Ernö Petö, Dr. Károly Wilhelm in einer eidesstattlichen Erklärung bestätigt.  Dr.Dezsö Onody,  Sekretär des Komitees hatte über Miklós Horthy  jun. den Reichsverweser über die Vorgänge unterrichtet, so konnte er eingreifen, wenn er die Möglichkeit dazu hatte.

Während der Besatzung machte Hitler in Ungarn, was er wollte. Er schickte immer mehr schwach gerüstete ungarische Soldaten an die Ostfront, mischte sich in Ungarns Regierungsbildung ein.

Es ist wichtig hier festzuhalten, wie Hitler mit seinen angeblichen„Verbündeten“ umging.

István Horthy wurde  Februar 1942 zum Stellvertretenden Reichverweser gewählt. Goebbels Bemerkung  dazu war: „Es ist ein großes Unglück, denn dieser Sohn ist noch judenfreundlicher als der Vater“. István Horthy  stürzte als Jagdflieger  am 20. Aug.1942 bei Kiew ab. Drei Tage vorher hat ihn seine Frau besucht,  Sie waren in der Wohnung eines deutschen Offiziers untergebracht, wo, wie im Nachhinein berichtet wurde, mehrere Abhörgeräte versteckt waren. István Horthy hatte seiner Frau erörtert er wolle sich an die Engländer, wenn nötig, an die Amerikaner wenden um ihre Hilfe zu erbitten. Ungarn könne sich selber nicht mehr helfen. Nach Augenzeugenberichten geriet seine Maschine kurz nach dem Start in der Luft in Brand. Es war nicht nachweisbar, aber alles deutete auf Sabotage hin. Diese Familien-Tragödie versetzte die ganze Nation in Schockzustand.

István Horthy war ein ganz großer Demokrat und ein begabter, vielseitiger Ingenieur. Er fing bereits Anfang  der dreißiger Jahre erfolgreich mit der Industrialisierung des Landes an.

In der tausendzehnjährigen Geschichte des Landes gab es kaum eine Epoche wie diese 25 Jahre zwischen 1920-1945, während der das Land sich so erfolgreich entwickelte  und das nach dem vernichtenden „imperialistischen Raubfrieden“. – Gyögy Dalos – S.130

Man darf  nicht vergessen: die Großmächte haben Stalin auf Hitlers Thron gesetzt, und nach dem Krieg wurde die Marshallplan Hilfe auch Ungarn angeboten, jedoch von dem russischen Außenminister Molotow abgelehnt.

Miklós Horthy jun. wurde am 15. Okt. 1944 von der Gestapo in eine Falle gelockt, niedergeschlagen und in das KZ Mathausen, später nach Dachau gebracht. Er wurde 1945 befreit.

Reichsverweser Miklós Horthy wurde am 17. Oktober von der SS gezwungen, das heißt, mit dem Leben seines Sohnes erpresst, sein Amt an Pfeilkreuzler Führer Szálasi zu übergeben. Edmund Veesenmayer – Deutscher Gesandter  in Ungarn – hatte sein „Ehrenwort“ gegeben: wenn er unterschreibt, wird er seinen Sohn in Wien  wieder treffen. Am gleichen Tag wurde die Familie Horthy nach Weilheim/Bayern entführt, wo sie in der nähe in einem Schloss untergebracht wurde, bewacht von hundert Waffen-SS Angehörigen, zwölf Gestapo-Männern und zwei Polizeihunden. Nach Kriegsende wurde Miklós Horthy von den Amerikanern als Zeuge verhört.

Die Familie Horthy musste Ungarn ohne Geld und Wertsachen verlassen. Im portugiesischen Exil lebten sie von der Hilfe von Freunden. Sie hatten auch gute deutsche Freunde, die sich weitgehend vom Dritten Reich distanziert hatten. Sie wurden durch zahlreiche  Juden unterstützt, in Amerika gründete man für sie eine Stiftung. Von Papst Pius der XII. erhielten sie auch finanzielle Hilfe.

1993, anlässlich der nachträglichen Bestattung von Miklos Horthy in Ungarn, unter den vielen Blumen fand man zwei Aufschriften:  „ Die dankbaren Juden“ und  „ Im Namen der geretteten Juden, János Blumgrund“

Miklos Horthys Überzeugung war, dass die kleinen Vielvölkerstaaten im Donauraum in einzelnen Nationalstaaten gerecht aufzuteilen unmöglich sei, sie sollten sich vereinigen.

Der große Träumer, Etienne de Saint Exupéry sagte: Der schönste Beruf des Menschen ist es, die Menschen zu vereinigen.“ – Jean Monnet: „Erinnerungen eines Europäers“ – S 250

Ich fürchte, wir alle, die seinen einfach formulierten,  großartigen Gedanke teilen, können davon noch lange nur träumen.

Quellen: Nicolaus Horthy: Ein Leben für Ungarn – Bonn -Athenäum 1953
„Emlékirataim „(Meine Erinnerungen) Budapest- Europa 1993 –
John Flournoy Montgomery: Hungary, the unwilling satellite – New York 1947 –  „Magyarország, a vonakodó csatlós „-Budapest -Zrinyi 1993
Gustav Hennyey : „Ungarns Schicksal zwischen Ost und West“ – Mainz – von Hase & Koehler- 1975  –
Grof Edelsheim Gyulai Ilona: „Becsület és Kötelesseg“ I.-II- (Anstand und Pflicht)       Budapest- Europa  2001,2007

4 Comments

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